AN ETWAS HÄNGEN

Meine Patentante besass im Wallis ein Ferienhaus. An den Wochenenden fuhr jeweils die ganze Familie hin, um Sonne zu tanken, zu wandern oder einfach eine gute Familienzeit  zu geniessen. Es gab auch immer etwas im Garten zu tun. So musste im Frühjahr neu angepflanzt, im Sommer getränkt und im Herbst die Beete geräumt werden. Nach der Winterruhe half die ganze Familie beim Zurückschneiden der Sträucher und Hecken. So auch in jenem Frühling, als die Enkelin, die gerade eingeschult wurde, tüchtig zupackte und so viele Zweige vom Boden auflas, wie ihre Arme zu tragen vermochten.

 

Zum Nachbarn grenzte eine grüne Hecke mit verschiedenen Sträuchern, die beide Parteien in gutem Einvernehmen pflegten. Dem ordnungsliebenden Mädchen fiel auf, dass ein Strauch nicht wie die anderen zurückgeschnitten wurde und dessen Zweige über die Nachbarsgrenze hinaus schossen. Auf der Rückfahrt am Sonntagabend traute sich die Enkelin ihren Grosseltern endlich die Frage zu stellen, die sie das ganze Wochenende beschäftigt hatte:

 

„Warum habt ihr die Äste von Nachbars Strauch nicht gekürzt? Die überwuchern ja unseren Sitzplatz und nehmen uns die Morgensonne weg.“

 

Die Grossmutter wunderte sich über die Wachsamkeit des Kindes und antwortete ihm:

 

„Ja, weißt du das nehmen wir in Kauf. Wir haben ja rund ums Haus ganz viele Sonnenplätzchen. Der Nachbar hängt halt an seiner Eibe.“

 

Die Enkelin gab sich scheinbar mit der Antwort zufrieden, denn sie stellte in dem Moment keine weiteren Fragen. Dass der wuchernde Strauch für das Mädchen jedoch immer noch ein ungelöstes Rätsel war, stellte sich bei der nächsten Fahrt ins Wallis heraus. 

 

Kaum hatte der Grossvater nach der Anfahrt das Auto parkiert, öffnete die Enkelin die Wagentür und stürmte wie eine Rakete durch den Garten. Mutter und Grossmutter eilten verdutzt hinterher. Sie fanden das Kind unter Nachbars Strauch stehend, die Hände in die Hüften gestemmt, mit einem Gesichtsausdruck der verriet, dass sie den Erwachsenen nicht mehr ganz über den Weg traute. Das Mädchen sagte nüchtern:

 

Das stimmt ja gar nicht! Der Nachbar hängt ja gar nicht an der Eibe!“

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NÄCHSTE LESUNGEN TRUDE

* 21.-24. November 2018, Wien

  

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Lesungen können mit und ohne musikalischer Begleitung gebucht werden.

Reportagen und Interviews:  kontakt@rose-marie-gasser-rist.com

 

Verlegerin:

Cornelia Linder

Tel: 0049 - 8053 - 7992952 | Fax: 0049 - 8053 - 7992953 | e-mail: linder@sheema.de 

 

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laufende Buchprojekte: 

 

*AMBER (Band 2 der Bernsteinsaga)

 AMBER ist im Lektorat und wird voraussichtlich an Weihnachten  2018 im Sheema Verlag erscheinen. 

 

* ESMERALDA (autobiographische Erzählung 2014) 

wird neu lektoriert und bei BoD herausgegeben und ist Herbst im Handel erhältlich 

 

*MEIN KIND IST EIN EINHORN - Paralleluniversen des Alltags

die besten und beliebtesten Blogs von 2015-2017. Die Kurzgeschichtensammlung erscheint im Herbst 2018 bei BoD