Mit George W. Bush und Tony Blair auf dem Jägersitz

Seit jeher träume ich des Nachts skurrile Sachen, die zur Unterhaltung meiner Familie am Frühstückstisch beitragen. Unvergesslich ist der Traum, den ich im Frühjahr 2003 hatte. Ich habe Amerikas Einmischungspolitik nie gutgeheissen und deswegen verfolgte mich die bevorstehende Invasion in den Irak bis in die Nachtruhe.

 

Im Traum ging ich auf einer idyllischen Waldlichtung spazieren, wie ich Getuschel auf dem nahen Hochsitz vernahm. Im ersten Augenblick vermutete ich ein Liebespaar beim Fummeln, doch wie ich näher trat, traute ich meinen Augen nicht. Da sassen doch tatsächlich der damals amtierende amerikanische Präsident George W. Bush und der britische Aussenminister Tony Blair auf dem Ausguck. Sie wähnten sich unbeobachtet. Denn sie berieten sich über den Irak und eine Kriegsstrategie, wie Saddam zu stürzen und an die Ölschätze im Land zu kommen sei.

 

Ich belauschte die zwei eine ganze Weile und war recht empört über die Pläne der beiden Herren. Ich war hin und hergerissen. Wenn ich ihnen meinen Unmut in Anbetracht der unschuldigen zivilen Opfer mitteilte, könnte ich ja heimlich von der CIA gemeuchelt werden. Wenn ich nichts sagte, würde ich mir ein Leben lang meine Feigheit vorwerfen, es nicht versucht zu haben, einen weiteren verheerenden Krieg zu verhindern.

 

Das letztere überwog und ich erklomm todesmutig die harzigen Stufen des Jägersitzes. Die beiden Herren schauten mich verblüfft an, hiessen mich jedoch willkommen und boten mir Platz zwischen ihnen an. Mister Blair goss mir ganz nach britischer Manier aus der Thermoskanne Tee in einen Becher. Wir sassen eine Weile einvernehmlich beieinander, machten Small Talk über Wetter und Wild, bis ich die Katze aus dem Sack liess und gestand, dass ich gelauscht hatte.

 

Die beiden Staatsherren hörten mir höflich zu und wie ich mit: „Whatever you do, but don’t do the first strike“ schloss, nickten sie als würden sie meine Besorgnis anerkennen. Erleichtert stieg ich die Sprossen hinunter und setzte meinen Spaziergang fort. Im Weitergehen klopfte ich mir auf die Schultern. 

 

In der Realität haben sie ja dann nicht auf mich gehört.

 

Dreizehn Jahre später denke ich kühn: hätten die beiden meine Bedenken ernst genommen, hätte es keine 150'000 Opfer,  keine Folgekriege in den Golfstaaten und keinen Nährboden für den IS gegeben! Und wir könnten heute immer noch fröhlich durch Nordafrika, den Orient und Europa reisen und uns an den verschieden Kulturen freuen. Seufz! Wie schön wär die Welt, könnten einfache Menschen von der Strasse auf einem Jägerhochsitz bei einer netten Tasse Tee Einfluss auf die Politik nehmen!

 

 

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* 21.-24. November 2018, Wien

  

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Cornelia Linder

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 AMBER ist im Lektorat und wird voraussichtlich an Weihnachten  2018 im Sheema Verlag erscheinen. 

 

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