Das Wetter hält sich nicht ans Klima

Eigentlich ist Dry Season (Trockenzeit) und es sollte im Juli nicht regnen. Dies war Garant, dass wir im australischen Winter den Norden gewählt haben, um unsere kostbare Ferienzeit wettertechnisch so optimal wie möglich zu verbringen. Das Wetter hat sich eine Woche lang nicht an die Klimavorgaben gehalten. Es hat nicht geregnet, es hat aus Eimern geschüttet. Ein paar Tage kann man locker wegstecken. Aber mit der Zeit kann es eine Bewährungsprobe für eine Familiendynamik werden, die ja auch auf Reisen tadellos weiterschnurrt. Jedes Familienmitglied hat so seine Macken und die können unter erschwerten Bedingungen zu Höchstform auflaufen.

 

Wir bildeten in den letzten 10 Tagen Schwimmhäute
: vom Schwimmen, vom Regen, vom Schwitzen und von den feuchten Kleidern, die einfach nicht mehr abtrockneten. Zwei von drei Ferienwohnungen befanden sich in den besagten wunderschönen erhöhten Queensländer Häusern, deren Zweck ist das Haus mit Luft von unten zu durchlüften und die Bewohner vor gefährlichen Tieren zu schützen. Nur – unsere Unterkünfte waren nachträglich in den Unterbau eingebaut. Der Regen rann durch die Ritzen und eine drückende, schwere, schwüle Feuchtigkeit hockte sich in den Räumen, in den Matratzen und in den Kleidern fest. Das ist nicht sehr gemütlich.

 

Auch haben wir ein paar Mal Vorhaben über den Haufen geworfen. Der zickige Regen machte das Planen schwierig. Kaum hatte sich in der Regendecke ein Loch aufgetan, nutzen wir die Chance für Aussenaktivitäten. „Söllemer? Söllemer nid? Söllemer?“ wurde zum Leitmotiv in den letzten Tagen. Geduld, Motivation und Freude an der Reise nahm mit jedem Regentag ab. In Townsville z.B. sagte das Wetterradar 70 % Wahrscheinlichkeit für Niederschlag für den Tag voraus. Wir sahen uns am Morgen vor der  Wahl:

 

A: In der Unterkunft bleiben, zwischen zwei Reisetagen mit vielen Autostunden einen ruhigen Tag einlegen, Karten schreiben und dabei riskieren, dass wir uns in der feucht-muffigen Stube grausig auf den Wecker gehen oder

 

B: mit der Fähre zur Magnetic Island fahren und riskieren, dass wir uns bei Dauerregen grausig auf den Wecker gehen (es ist schon bei Trockenheit extrem schwierig, Kinder für ein paar Hundert Meter Fussmarsch zu motivieren, unter erschwerten Bedingungen wie Regen muss man sie mit einer Extraeinheit Game-Zeit bestechen)

 

Mutters Bauchgefühl sagte: Magnetic Islands. Vaters Abenteuerlust sagte: Magentic Island

Die Kinder hatten an diesem Tag nichts zu sagen, denn endlose Diskussionen führen erfahrungsgemäß nicht zu einem fruchtbaren Ergebnis und wenn die Nerven der Eltern angespannt sind noch weniger. Das Fazit am Abend: Nach Anlaufschwierigkeiten verbrachten wir einen fantastischer Tag OHNE von oben nass zu werden. Der Regen setzte am Abend  just beim Ankommen, als wir die Fertigpizza in den Ofen schoben, ein! Manchmal muss man Kinder zu ihrem Glück zwingen ;-)

 

Zwei Tage später in Mackay scheint endlich die Sonne wieder, wie es sich für diese Jahreszeit gehört. Wie sehr es nervt, ständig zu improvisieren,
 Kinder und sich selber zu motivieren, wird einem erst bewusst, wenn es wieder so ist wie, wie es eigentlich erhofft, erwartet, erwünscht war: sonnig, entspannt, mit freier Sicht auf die Naturwunder.

 

Neben dem Regen (in Kombination mit ungemütlichen Unterkünften) ist etwas anderes für mich eine Bewährungsprobe: Autofahren! Ich empfinde es als eine Tortur! Eingequetscht in einer Blechbüchse egal bei welcher Szenerie macht mir einfach keine Freude. Der Verstand sagt, es gehört halt einfach mit zum Deal wie der Langstreckenflug (ein ökologischer Blödsinn, den ich mir mit meinem Verzicht auf Fleischkonsum fussabdrucktechnisch schönrede..). Ohne Flugzeug und ohne Auto wären Australien und jede Reiselust unerfüllte Träume, die ich mir im Kopfkino befrieden müsste.

 

Nach endlosem Kilometerfressen zwischen Townsville und Mackay wurde ich unruhig und hässig. Der Regen hatte mich schon mürbe gemacht und irgendwann hatte ich die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die endlosen Monokulturen (Bananen und Zuckerrohr) einfach nur noch über. Cairns, Townsville, Queensland Norden wird feucht, modrig, von Zuckerrohr begrenzt und Touristenströmen überflutet in meiner Erinnerung bleiben. Und ich traue es jetzt zu sagen: ich hatte nach dem grandiosen Darwin manchen Hänger, die sich zum Glück mit fantastischen Highlights (Schnorcheln im Riff, Tierpark, Magnetic Island.. ) nicht zu einem grauen Gefühl etablieren konnten.

 

Und dann nach fünf Stunden Monotonie - der Schrei der Verzückung, der Freudengump im Herzli, der Himmel riss auf und fast zeitgleich tat sich eine rot-grüne WEITE auf! "Das ist das Australien, das ich mir vorgestellt habe", sagt Ruben spontan und spricht aus was ich dachte.

Bei der Ankunft in Mackay spannte sich ein Regenbogen über den Strand, die schöne Unterkunft ist trocken (.. Erleichterungseufzer - unsere Kleider werden also nicht schimmlig), sie hat einen Pool (mit Kids von Vorteil weil das Meer vor Ort voller Quallen ist) ein Paradiesvogel hat uns am Morgen ein Ständchen gepfiffen. Der Himmel schreit himmelblau vor Lebensfreude und wird es – sofern die Wetterprognosen halten, was sie versprechen – für den Rest unserer Australienreise.

 

In dieser Entspannung haben wir uns entschieden die Ausfahrt zum Nationalpark im Outback zu streichen. Die stattliche Stornogebühr nehmen wir in Kauf. Dafür ersparen wir uns 20 Stunden Autofahrt, Sprit und mir 72 Stunden auf-die-Zähne-beissen. Wir gewinnen „Luft“, unsere Freude zurück, entspannte Boys und gemütliche Eltern. Wir hängen nun spontan eine zusätzlich Nacht hier in Mackay an und eine mehr als geplant bei der nächsten Unterkunft. Bei dieser gibt es Pferde und ein endloses Räubergelände für die wilden Kerle, eine Gitarre für Matthias und Frauengespräche für mich.

 

 

Aktuelles


 

TRUDE 

 

* LESUNGEN WIEN

Freitag, 23. November 2018, 18.30 Uhr

Salon Gustl im GUSTL KOCHT, Erdbergstrasse 21, A-1030 Wien

 

Samstag, 24. November 2018, 18.30 Uhr

Fahrschule Liesing, Breitenfurterstrasse 334, A-1230 Wien

 

 

AMBER  

 

BUCHVERNISSAGE 

Freitag, 14. Dezember 2018, 19.30 Uhr 

Buchhandlung Bodan Kreuzlingen, Hauptmasse 35, CH-8280 Kreuzlingen/TG  

Autorinnenlesung, Musikalischer Rahmen: Matthias Rist

 

Mittwoch, 19. Dezember 2018, abends

Bergtrotte Osterfingen, Restaurant 1584, CH-8218 Osterfingen/SH

Autorinnenlesung, Musikalischer Rahmen: Matthias Rist

 

 

  

 

* TRUDE * ESMERALDA und mein KIND IST EIN EINHORN 

sind ab sofort als E-Book erhältlich