Der Busch ist nicht romantisch. Touristen auch nicht

Der Busch ist nicht romantisch, Touristen auch nicht

 

Gestern bekam ich einen ersten Geschmack von den Dimensionen des Landes. Ich bin in einer geführten Tour zum Litchfield National Park . Ich mache an dieser Stelle gerne Werbung im hart umkämpften Markt für dieses persönliche, engagierte, erste Sahne Unternehmen: www.offroaddreaming.com.au

 

Hin- und Rückweg führte uns über endlose, fadengerade Strassen durch Busch- und Savannenland. Beim ersten Augenschein erschreckt es, denn an vielen Stellen sieht es schwarzverkohlt und apokalyptisch aus. Barny der Tourguide beschwichtigt; die schwarzen Flächen kommen von kontrollierten Bränden. Die Regierung hat die jahrtausendealte Tradition der Aborigines wieder aufgenommen. Ranger und Freiwillige werden von den Ureinwohnern geschult. Früher haben Aborigines zu Beginn der Trockenzeit (Winter) welke Blätter und dürre Äste im Unterholz angezündet, um ihnen die Jagd auf Kleintiere zu erleichtern. Heute wie früher dienen die kontrollierten Feuer als Vorsorge für unkontrollierte Buschbrände und als nachhaltige Forstwirtschaft. Aus der Asche erwachsen die kräftigsten Triebe.  So haben mich auf der langen Fahrt im Offroader wieder die brillanten Farben fasziniert: kohleschwarze Erde, lehmrote Felsen, ockergelbe Termitenhügel, silbergrünes Buschwerk und ein knallblauer Himmel.

 

Litschfield hat wunderschöne Naturspektakel zu bieten: Termitenkathedralen, Wasserfälle, Regenwald und Buschwalks. Leider wissen das mittlerweile unzählige Touristen. Was als spirituelle und heilige Plätze der Aborigines beschrieben ist, trafen wir als Kirmes der grölenden Massen an. Es war unmöglich den Spirit des Wassers oder die Kraft des Ortes, von denen die Ahnen berichteten, zu lauschen. Wir  mussten es sportlich nehmen und keine heiligen Erwartungen hegen. Touristen bringen Geld in eine abgelegene, unwirtliche Gegend. Wer will heute im Busch leben und sich von Honigameisen, Krokodileiern oder im Pelz gegarten Wallabys ernähren wie die Ureinwohner? Natürlich würden Aborigines ohne die Invasion der Europäer weiterhin in ihren Traditionen weiterleben.

 

Wir leben im 21. Jahrhundert und sind als globale Menschheit enormen Veränderungen unterworfen. Es ist wertvoll als Ureinwohner – das Didgeridoo ist gar nicht so weit entfernt vom Alphorn - das lokale Territorium zu kennen und als Kosmopolit die Vogelperspektive nicht zu verlieren. Die Gallier haben Angst, dass Ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Das könnte uns blühen, wenn Klimawandel oder die Säbelrasselei zwischen Nato und Russland weiter voranschreitet. Dass die Nato hier um Northern Territory aufrüstet und das Barrier Reef deswegen oder ob des Klimawandels erbleicht...  Genau solche Gedanken machen es aus, dass ich nicht immer im „wow-alles-lässig-und easy“ Rausch bin.

 

Lässig und easy wollen es die Menschen haben. Verstehe ich, echt! So verstehe ich im Park jene Reisegruppe junger Männer, die wohl ihre erste grosse Auslandreise weit weg von Schule und Eltern machen. Die meisten Jungs haben grossflächige Oberkörpertatoos, Waschbrettbäuche und sind randvoll mit Testosteron. Sie haben stets eine Büchse Bier in der Hand und Nachschub in der Kühlbox parat. Der Ghettoblaster ist laut aufgedreht und übertönt sogar das Getöse der stürzenden Wassermassen. Jungs suchen Grenzerfahrungen. Mir bangt, wenn ich an meine Jungs in den Startlöchern vor der Pubertät denke. Die wilden Kerle am Wasserfall besteigen trotz omnipräsenter Verbotsschilder die Klippen und springen im Acapulco Styl unter frenetischen Applaus der andern in den See.

 

Ein Vater sitzt mit zwei Teenagertöchtern auf einem Fels, die die schönen Bodys der Boys anhimmeln. Ich stelle mir vor, dass Daddy seinen Girls zeigen möchte, dass er auch noch etwas drauf hat und er erklimmt ebenfalls die Klippen. Just in dem Moment, in dem er zum Sturz in die Fluten ansetzt, wird er von drei Park Rangern zurückgepfiffen. Die Stimmung am See sinkt schlagartig, ebenso Papi in den See. Immer trifft es die Uncoolen! Wer sich einmal getraut zurückzuschlagen, wird hundertprozentig vor den Rektor zitiert, obwohl die Frechen wochenlang vorher gepisackt haben und dann entwischen. Die Jungs schleichen sich aus dem Pool, klauben ihre Handtücher zusammen und machen sich vom Acker. Feiges, junges Pack! Mein Herz ist immer bei den Schwächeren. Und doch – die Jugend hat ihren Bonus und ich kann mir ein fieses Schmunzeln nicht verkneifen. Es gab dann auch eine Dame – der Typ „Engagement für ausgesetzte Tiere, Obdachlose und Asylsuchende“ - die sich für den Vater einsetzten und dem Ranger verklickerten, dass er gar nicht der einzige war. Solidarität ist gut, doch ich glaube jeder Dad kann sich ganz gut auch selbst behaupten.

 

Ich fand es superschade, dass ich den Ort wegen des Getümmels nicht in seiner mystischen Dimension erlauschen konnte. Litchfield war jedoch besser als jeder Kinoabend! Ich glaube auch, dass Schichten tiefer, unter allem oberflächlichen Getue die jungen Menschen Spiritualität auf ihre eigene Art erfahren. Auch wenn sie sich nicht darüber äussern, weil es (noch) uncool ist, bin ich sicher, dass sie an solchen Plätzen eine Ahnung bekommen, wie zeitlos Natur und Mystik sind und wie wohltuend es ist, sich da anzudocken, weil es ein Teil von uns ist.

 

Das Sahnehäubchen der Tagestour war jedoch ohne Frage Crocodile Pat und seine Tiere. Wir sind mit einem vergitterten (Boah – zum Glück!) Boot auf dem Adelaide River auf Krokosuche. Und die hatte es! Alle paar Meter tauchten mal Nüstern, mal Rückenschilder aus dem trüben Wasser auf. Das Buschoriginal Pat hat ohne Punkt und Komma geredet. Er liebt seine Tiere, nennt alle mit Namen und hat wirklich etwas zu sagen. In Australien seien in 200 Jahren nur 60 Menschen durch Krokodile getötet worden. Man müsse einfach wissen, wie diese Tiere tickten. So würden Menschen (sprich Beute) nahe am Wasser weder über Geruch, noch Sicht, sondern durch Schritte erkannt. Um dies zu demonstrieren befestigte Pat an einer langen Stange Fleischhappen, mit denen er aufs Wasser klatschte und über Schallwellen die Krokodile anlockte. Auf einen halben Meter Distanz kamen sie und schnappten sich die Beute. Mir stockte immer wieder der Atem vor Faszination, Schaudern, Kitzel, Staunen über die mächtigen, gruseligen und schönen Tiere. Zum Glück hat mein Handy kurz bevor der Akku leer war noch ein paar Schnappschüsse ergeben. Sonst glauben mir das meine Söhne nicht, dass ich den Bestien so nah war. 

 

 

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Autorinnenlesung, Musikalischer Rahmen: Matthias Rist

 

 

  

 

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