Gefährliche Tiere

Das Meer ist verlockend, die Buchten bezaubernd, der Sand samtig unter den Füssen! Die Temperaturen verführen zum Bade. In der Mangroven Bucht zwischen Nightcliff und Darwin würde ich keinen Fuss zu nah ans Wasser gehen, das ist offensichtlich Homeland für die Crocos. Ich habe bisher noch keines in Natura gesehen, doch ich kann mir förmlich vorstellen, wie sie sich in dem seichten, warmen Gewässer dümpeln. Weniger vorstellen kann ich mir, dass die Riesenviecher zwischen den schroffen Klippen anzutreffen sind. Danielle mahnte mich aber, nicht zu nahe am Meeressaum spazieren zu gehen, auch wenn das Wellenspiel einladend ist. Es verirrten sich immer wieder Salties (Salzwasserkrokodile) in den Buchten. Im Prospekt von Darwin steht auch: You are in croc country – be crocwise. Crocodile danger is real – don’t risk your life

 

 

Es warnen am Quai Schilder vor einer lebensgefährlichen Qualle – the box jelly – die vor allem in der wet season von Oktober bis Mai anzutreffen ist. Es wird empfohlen, immer Essig zur sofortigen Desinfektion bei sich zu führen und sofort den Notarzt zu rufen. Macht nicht so Lust auf Baden im Meer. Ich verstehe jetzt auch, warum praktisch jede etwas besser situierte Familie oder Mietblocks einen eigenen Pool haben. Die sehen zum Teil nicht besonders anmächelig aus, so als würden sich Pipi, Insektenleichen und Blätter unter der Sonne zu einem Sud einköcheln.

 

Ich habe meine eigene Strategie mit der Wärme umzugehen. Ich setze mich in weiten, leichten Tunikas in den Schatten der Palmen nahe den Klippen, wo immer ein Lüftchen weht. Auf Reisen in Nordafrika habe ich gelernt, dass es ist viel angenehmer ist, spielenden, bedeckenden Baumwollstoff, als engen, auf der Haut klebenden Tricot am Körper zu tragen. Radfahren verschafft auch Abkühlung durch Fahrtwind. Dies aber vorzugsweise morgens und kurz vor dem Eindunkeln um halb sieben abends. Dann teile ich den lauschigen Radweg, der von schattigen Bäumen gesäumt wird, mit Joggern (in engem Tricot), Singles, die ihren Hund Gassi führen und Familienarmadas (Mami mit Baby im Buggy, Kind mit Einrad und Eis, Kind mit Scooter und Puppe, Vater schwitzend mit Picknickbox, Grossvater mit Zigarette im Mund am Rollator...). Bei diesem (Langsam-) Verkehrsaufkommen macht die fette, weisse Linie, die den Gegenverkehr auf der Fahrbahn in left and right abtrennt, total Sinn.

 

Von den vielbesagten Mücken und Fliegen habe ich bisher kaum etwas mitbekommen. Entweder werden sie von der stetigen Meeresbrise verweht. Oder es ist nicht Saison. Auf jeden Fall kamen Moskitonetze und duftende Insektenblocker noch nicht zum Einsatz. Dafür hatte ich einen blinden Passagier eingeschleppt. Auch der kann garstig und lebensbedrohlich sein. Beim letzten Bad im Bodensee und anschliessendem Lümmeln auf der Wiese am Vortag der Abreise, hat sich eine Zecke am Oberarm festgekrallt, die ich erst bei der Ankunft in Australien entdeckt habe. Die Einreisebestimmungen sind ja rigid. Man darf keine tierischen und pflanzlichen Substanzen einführen. Hätte ich den Zeckenbiss deklarieren müssen? Nun, der Arm ist desinfiziert (hat noch keinen Ring....) und das grüselige Kleingetier hat den Weg durch die örtliche Kanalisation gefunden und wird über die Nahrungskette wohl zu Fisch- oder Crocofutter. Das europäische Ungeziefer wird jetzt schon keine Pandemie auslösen.