No worries - keine Sorgen

"Good morning Rose - I was wondering if you are still alive!"

Mit diesen Worten hat mich Danielle eben begrüsst, als ich zerknittert und mit klebrigen Haaren am Kopf aus der Zimmertüre gekommen bin. Es ist Mittag und ich habe glatt 14 Stunden geschlafen! Wow! Da hat sich der Körper aber alles geholt, was er brauchte!

 

Bin gestern mit dem Taxi nach Darwin. Es IST konstant HEISS; FEUCHT und WINDIG: Das Taxi gönnte ich mir von Herzen. Das ist mein Luxus, den ich mir in den letzten Jahren zusammengespart und zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen haben. Ich DANKE EUCH JEDEN EINZELNEN TAG, Euch liebsten Menschen, die mir dieses Glück ermöglicht habt!!!!!! Ich muss nicht mehr wie ein Backpacker jeden Cent umdrehen. Und alles was andere in tägliche Zigaretten, Steaks und Alkohol investieren, ermöglicht mir löcke einen Privattransport. Auf dem Rückweg hiess die Taxi Driverin Rosemarie. Sie war sehr alt, voller Runzeln aber sowas von smart. Es war sehr witzig und kurzweilig mit ihr über Darwin, den Aussie-Slang und unsere Namen zu philosophieren. Auch sie hat sich zu Beginn sehr schwer getan mit dem altbackenen Namen. Doch wir sind einvernehmlich und schmunzelnd zum Schluss gekommen, dass die Rose als Blume und die Marie als Mutter von Jesus etwas würdevolles sind und und somit unsere Namen ganz ok sind, durch das Leben zu tragen.

 

Darwin ist überschaubar, jetzt nicht der totale Burner, aber hübsch. Ein paar Miniwolkenkratzer machen auf wichtig. Hotels und Shops machen es zu einem Mix aus Business und Tourismus. Aboriginals sind in Gruppen in Parks und der Mall anzutreffen. Ich habe keine Ahnung, worüber sie sich so laut unterhalten. In den Galerien sind ihre Bilder hoch gewertschätzt und teuer… Aber wie integriert sind sie wirklich in der Gesellschaft?

 

Was Darwin ausmacht und mich total packt sind die freundlichen Menschen und der Kontrast der Farben. "How are you?" bei der Begrüssung und "No Worries" bei einer Auskunft oder beim Verabschieden, sind die richtigen Worte für eine freundliche, unbeschwerte Kommunikation zwischen Menschen. Natürlich sind es Floskeln, aber wenn dich einer fragt: "Wie geht es Dir?" und sagt: "Mach Dir keine Sorgen!" ist Anteilnahme und Leichtigkeit schon mal als Möglichkeit gelegt. Warum denn nicht gleich zum Credo machen? Ich habe manchmal die Gewohnheit, mir zuviel Gedanken über die Welt und überhaupt zu machen. Das könnte ich mir abgewöhnen: No worries! Zumindest hier und jetzt.

Das Türkis vom Meer ist unanständig schön. Ich könnte es saufen. Gierig in mich aufnehmen. So schön, so sinnlich, so süffig, so wohltuend. Es wirkt klärend, aufhellend, fröhlich machend. Ganz von alleine. Ohne dass ich das Farbenlehre Wissen aus meinem Background der Kunsttherapie zücke.

 

Das Meer ist heilend. Punkt. Darum ist dieser Trip die beste Therapie. Ich LIEBE die Farben hier. Zu jeder Tageszeit. Ich mache nicht viel. Ich schaue. Und lausche. Und grinse über das ganze Gesicht. Und liebe! Es kommt einfach aus mir raus, aus dem Herz. Ich bin happy und fühle mich gesegnet. Weil ich genau weiss, wie verdammt weh es manchmal tun kann, wie die Existenznot einem den Atem nimmt, wie Krankheit einen ohnmächtig macht, wie Einsamkeit Abgründe auftut - umso mehr kann ich HIER und JETZT danken, sein, lieben, geniessen. Im Wissen, dass meine Kinder, mein liebster Mann, meine Freunde mir es von Herzen gönnen und wir uns über alles verbunden sind. Doch ich bin überzeugt, dass jeder Mensch immer wieder Zeiten des bewusst gewählten ALL-EINS-SEINS braucht, um ins Lot zu kommen.